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Felines Leukose Virus
(FeLV)
beim felinen Leukämievirus, handelt es sich um ein Retrovirus. Die
Retroviren wurden nach einem Enzym benannt, der reversen
Transkriptase, die einen Einbau des Virusgenoms in die DNS der
infizierte Zelle ermöglicht.
Die Übertragung der Infektion kann durch alle Körperexkrete und
-sekrete erfolgen. Am häufigsten ist die Infektion durch direkten
Kontakt mit dem Speichel infizierter Tiere aber auch indirekt zum
Beispiel bei Benutzung derselben Futternäpfe.
Die Empfänglichkeit für das Virus ist bei jungen Katzen unter 16
Wochen hoch und nimmt dann immer mehr ab. Ältere Tiere werden dann
kaum noch infiziert, es sei denn der Infektionsdruck ist sehr groß.
Bei den klinischen Symptomen muß zwischen primären und sekundären
Veränderungen unterschieden werden. Primär kommt es zu Veränderungen
in Organsystemen, in denen sich das Virus gut vermehrt. Dies äußert
sich besonders in Knochenmarksdepressionen und Tumoren des
lymphatischen und myeloischen Systems. Bei jungen Katzen treten
Fibrosarkome auf, welche durch das feline Sarkomvirus (FeSV), einer
Mutante des FeLV, induziert werden. Diese Fibrosarkome wachsen
entweder progressiv und letal oder aber bilden sich vollständig nach
2-6 Wochen zurück. Auch neurologische Symptome und
Fertilitätsstörungen kommen vor.
Im Rahmen einer
Immunsuppression kann es später zu einer Vielzahl von
Krankheitserscheinungen mit sekundären Infektionen kommen.
Die Diagnose wird meistens mittels eines kommerziell erhältlichen
ELISA´s (Enzyme linked immuno sorbent assay) gestellt. Dieser Test
weist virales Antigen nach, also direkt ein Virusprotein und nicht
nur Antikörper gegen das Virus. Die Sensitivität und Spezifität sind
gut, so daß der Test als relativ zuverlässig anzusehen ist. Aus
biometrischen Gründen muß jedoch bei einer niedrigen Prävalenz für
die FeLV-Infektion auch mit falsch positiven Testergebnissen
gerechnet werden. Positive Ergebnisse sollten daher nachgetestet
werden. Ein weiterer Grund für das Nachtesten ist, daß die Tiere die
Infektion überwinden und wieder negativ werden können. Ein negatives
Testergebnis ist als sicher anzusehen, sagt allerdings nur aus, daß
sich das Tier zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht in der Phase der
Virämie befand.
Es kann im wesentlichen 3 Verlaufsformen bei einer FeLV-Infektion
geben. Es wird ange-nommen, daß in Mitteleuropa zwischen 50-80% der
Katzenpopulation in Kontakt mit dem
FeLV kommt, von denen sich etwa 70% infizieren. Bei den meisten
Tieren mit intaktem Immunsystem kommt es zu einer kurzen virämische
Phase, die nach wenigen Tagen beendet ist. Außerdem treten
transitorische Virämien auf, die bis zu einigen Monaten andauern
können. Tiere mit kurzer oder transitorischer Virämie sind in der
Regel stabil immun für den Rest ihres Lebens und nicht mehr in der
Lage Virus zu produzieren. Wahrscheinlich wird dies durch Änderungen
am Virusgenom im Rahmen der Immunabwehr bewirkt. Eine weitere
Möglichkeit ist eine latente Infektion, bei der es immer wieder zu
virämischen Phasen bei außergewöhnlicher Belastung, wie zum Beispiel
in der Laktation, kommt. Schließlich gibt es die persistierende
Virämie mit der Folge FeLV -bedingter Krankheitserscheinungen, die
bei 10-30% aller Tiere auftritt. Zu welcher der Verlaufsformen es
kommt hängt neben der individuellen Empfänglichkeit und dem
Immunstatus auch von der Pathogenität des Virusstammes ab.
Eine Impfung gegen die FeLV-Infektion ist wegen der hohen
Empfänglichkeit besonders bei jungen Katzen sinnvoll. Bei älteren
Katzen könnte je nach Haltungsform und Exposition von einer Impfung
abgesehen werden. Bei dieser Entscheidung spielt sicherlich die
Besitzermentalität eine wesentliche Rolle. Es gibt verschiedene
Impfstoffe, die mit Erfolg eingesetzt werden. Lebendvakzine sind
nicht zu empfehlen, da ein Einbau ins Wirtszellgenom mit der Gefahr
der späteren Tumorentwicklung erfolgt. Es haben sich inaktivierte
Viren und auch neuerdings rekombinante Proteine des Virus bewährt.
Ob vor einer Impfung eine bestehende FeLV-Infektion durch einen Test
ausgeschlossen werden sollte, ist nicht pauschal zu beantworten.
Hier spielen so verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel Herkunft und
weiterer Verbleib der Katze oder des ganzen Wurfes, FeLV-Status
eines Bestandes, finanzielle Aspekte und auch Einstellung des
Besitzers und des Tierarztes eine Rolle.
Feline
infektiöse Peritonitis (FIPV)
die FIP, eine der wichtigsten Infektionskrankheiten der Katze
Beim Erreger der felinen infektiösen Peritonitis (FIPV) handelt es
sich um ein Coronavirus mit weltweiter Verbreitung. Virusstämme mit
unterschiedlicher Virulenz kommen im Feld vor und verursachen
Infektionen die meist asymptomatisch verlaufen. Darminfektionen bei
Katzenwelpen können zu Durchfallerkrankungen führen, während
systemische Infektionen mit nur noch geringen Tropismus (äusserliche
Reizung) zum Darm die gefürchtete FIP verursachen. Die Mortalität
bei FIP ist sehr hoch und erreicht praktisch 100%. Hauskatzen und
andere Feliden sind für Coronaviren empfänglich. Coronaviren sind
empfindlich gegenüber den meisten Reinigungschemikalien sowie
Austrocknung, nicht jedoch gegen Einfrieren.
Es besteht kein antigener Unterschied zwischen primär apathogenen
enteralen Coronaviren und den Varianten die FIP verursachen. Dies
führt zu einem zentralen diagnostischen Problem, da mittels
herkömmlicher polyklonaler Antikörper eine Unterscheidung nicht
möglich ist. Die Virusisolierung ist derzeit nur Speziallabors für
experimentelle Fragestellungen vorbehalten.
Die Übertragung kann intrauterin (im Mutterleib) oder postnatal
(nach der Geburt) oral erfolgen. Die intrauterine Übertragung bei
erkrankten Muttertieren ist erklärbar, da das Virus sich
leukozytenassoziiert im Körper verbreitet und so auch auf den Fetus
übertragen wird. Bei asymptomatischen Virusträgern ist die
intrauterine Übertragung dagegen nicht gesichert.
Die Pathogenese ist sehr komplex, wobei einer Fehlleitung des
Immunsystem die entscheidene Rolle zukommt.
Experimentelle Untersuchungen lassen sich nicht ohne weiteres auf
die Feldbedingungen übertragen. Nach derzeitigen Erkenntnissen
verläuft die Infektion unter Feldbedingungen wahrscheinlich
folgendermaßen: Das FIPV besiedelt die Darmepithelien (und ggf. auch
Epithelien der oberen Atemwege). Es kommt dort zur Replikation,
gelegentlich mit geringgradigen Symptomen. In einigen Fällen erlangt
das Virus durch Mutation eine Affinität für Monozyten und kann sich
so im Körper verbreiten. Ein Krankheitsausbruch hängt nun von einer
Vielzahl von Faktoren ab. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zählen
hierzu die Virulenz des Coronavirus, das Alter des Tieres,
genetische Empfänglichkeit und Immunkompetenz, Anwesenheit von
zirkulierenden Antikörpern gegen Coronaviren, Stressoren jeder Art,
Glukokortikoide und alle anderen Immunsuppressiva inklusive
Infektionen mit dem felinen Immundefizienzvirus und dem felinen
Leukosevirus.
Eine systemische Verbreitung des Virus führt also nicht in jedem
Fall zur tödlichen Erkrankung. Bei starker zellvermittelter
Immunantwort mit Makrophagenaktivierung kann die FIPV-Replikation
beendet werden. Fehlt die zelluläre Immunantwort, kommt es trotz
Antikörperproduktion zur exsudativen ("feuchten") Form der FIP.
Infizierte Makrophagen akkumulieren besonders um Blutgefäße und im
Interstitium der serösen Oberflächen. Die infizierten Zellen
exprimieren Antigen und synthetisieren vermehrt Komplement und
andere Entzündungsmediatoren. Dies führt zur Aktivierung von
Lymphozyten mit entsprechenden systemischen Folgen wie Fieber sowie
Antikörperproduktion. Wegen der Beteiligung neutrophiler
Granulozyten werden die perivaskulären Infiltrate oft als
pyogranulomatös bezeichnet. Wenn infizierte Makrophagen zerfallen,
werden freie Viren an Antikörper gebunden und es entstehen
Immunkomplexe. Diese aktivieren Komplementfaktoren was zu einer
Verstärkung der lokalen Entzündung führt. Die angelockten
Entzündungszellen phagozytieren die Immunkomplexe. Dadurch gelangt
das Virus erneut in Makrophagen, in denen es sich vermehren kann.
Dies führt zu einem Circulus vitiosus der in einer
Verbrauchskoagulopathie mit Gefäßschädigung und Übertritt einer
proteinreichen Flüssigkeit in Bauch- und/oder Brustraum endet. Falls
die zellvermittelte Immunantwort vorhanden ist, jedoch zu schwach
oder ineffektiv um die Virusreplikation zu beenden, kommt es zur
"trockenen" Form. Diese verläuft mit weniger starker
Makrophagenantwort und geringerer Virusproduktion.
Ein ungelöstes Problem stellen asymptomatische Virusträger dar, bei
denen eine Virusisolation nicht gelingt, die Infektion jedoch mit
Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nachgwiesen werden kann.
Diese Tiere können seronegativ sein (Horzinek 1997,
unveröffentlichte Beobachtungen). Seropositive, gesunde Katzen
können innerhalb einer seronegativen Versuchsgruppe die
FIPV-Infektion auslösen. Eine wichtige Rolle der symptomlosen
Virusträger bei der Übertragung ist daher wahrscheinlich. Dies wird
auch unter Feldbedingungen durch den Umstand belegt, daß Katzen
erkranken können, die nie mit FIP erkrankten Tieren Kontakt hatten.
Für die Vorstellungen zur Epidemiologie spielt die Mutation
harmloser enteraler Coronaviren mit einer Virulenzzunahme eine
zentrale Rolle. Es mehren sich die experimentellen Befunde, die dies
beweisen; die hohe Mutationsrate von Coronaviren läßt diese
Hypothese auch plausibel erscheinen. Ein weiteres Phänomen ergibt
sich aus einer derzeit nicht erklärbaren Diskrepanz zwischen
experimenteller Infektion und Feldbedingungen. Werden auf
spezifisch-pathogen-freie-(SPF) Katzen Antikörper gegen Coronaviren
übertragen, so sind diese nicht besser geschützt als Tiere ohne
Antikörper sondern erkranken schneller mit rapiderem Verlauf. Dies
wird mit der schnelleren Bildung von Immunkomplexen erklärt. Unter
Feldbedingungen gelang es aber nicht, bei serologisch positiven
Tieren eine höhere Wahrscheinlichkeit der Erkrankung zu belegen. Es
wird sogar mit zunehmender Überlebensdauer die Wahrscheinlichkeit
einer Erkrankung kleiner, d.h. es scheint sich eine Art Immunität
auszubilden.
Diese ist aber zellvermittelter Natur und nicht von Antikörpern
abhängig. Eine weitere Diskrepanz zwischen Labor- und
Feldbedingungen ergibt sich aus der Beziehung von FIP und
FeLV-Infektion. Serologisch Coronavirus-negative Katzen wurden
experimentell mit FeLV infiziert. Nach einmaligem Kontakt mit einem
gesunden Tier aus einem FIP-Bestand erkrankten besonders die latent
FeLV infizierten Tiere an FIP, aber auch ein Teil der persistierend
an FeLV erkrankten. Die latent FeLV-infizierten Tiere wurden dabei
sogar wieder im ELISA FeLV positiv, was für eine Reaktivierung der
Infektion sprach. Alle Katzen wurden nach einmaligen Kontakt
serologisch Coronavirus-positiv. Dieser Synergismus bei der
Infektion mit beiden Viren läßt sich aber in der Feldpopulation
nicht bestätigen. Insgesamt konnte eine häufigere Erkrankung mit FIP
bei FeLV-positiven Tieren im Vergleich zu negativen Tieren nicht
nachgewiesen werden.
Am häufigsten erkranken Katzen im Alter von 6 Monaten bis zu 5
Jahren. Rassekatzen scheinen stärker betroffen zu sein, eine
genetische Disposition ist auch bei exotischen Feliden ( Geparden )
nachgewiesen worden. Insgesamt erkranken pro Jahr weniger als 2% der
Population, innerhalb betroffener Bestände erkranken selten mehr als
10%, pro Wurf kann es eine Häufung geben. Nach experimentellen
Infektionen kommt es ab dem 2. Tag zur Ausscheidung von Virus aus
der Mundhöhle und ab dem 2.-7. Tag mit dem Kot. Die maximale
Ausscheidungsdauer ist 15 Tage. Meist liegt ein wochenlanger Verlauf
vor, wobei zunächst Inappetenz und Fieber als wichtigste Symptome
auftreten. Je nach Organbeteilung können entsprechende Symptome
hinzukommen, wie zum Beispiel Ikterus (Gelbsucht), Anämie
(Blutarmut), Urämie (Blut im Urin), ZNS (zentralnervensystem)-,
Augensymptome sowie Dyspnoe (Atemstörung) bei Pleuraerguß. Bei ca.
95% der Fälle kommt es zur "feuchten" Verlaufsform. Es liegt dann
der pathognomonische eiweißreiche Erguß vor, meist viskös, klar
blaß- bis dunkelgelb, teilweise mit Fibrinbeimengungen, welcher
schnell gerinnt. Zum Tod kommt es nach 1 bis 12 Wochen
Krankheitsdauer. Ungefähr 70% aller erkrankten Tiere zeigen einen
Bauchhöhlenerguß, aber auch Brusthöhlenergüsse und gemischte Formen
kommen vor.
Bei der "trockenen" Form findet man pyogranulomatöse Herde in
Organen und serösen Häuten. Da diese Form langsamer fortschreitet,
sind auch eher die schwerer zugänglichen Organe betroffen wie Augen
und ZNS. Der Tod tritt nach 1-6 Monaten ein. Die "feuchte" und
"trockene" Verlaufsform der FIP sind nicht als unterschiedliche
Erkrankungen zu betrachten, es handelt sich vielmehr um einen
Krankheitskomplex, wobei der Ausgang von der Art der Immunreaktion
abhängt (humoral: "feucht"; zellulär: "trocken") und häufiger als
exsudative Form diagnostiziert wird. Die Dunkelziffer der Diagnose
trockener Formen liegt hoch.
Als wichtigste Differentialdiagnosen für die Körperhöhlenergüsse
wären Kardiomyopathie, Chylo- und Pyothorax sowie eine bakterielle
Peritonitis zu nennen. Für die pyogranulomatöse Form werden
differentialdiagnostisch besonders ein Lymphosarkom, eine Steatitis,
eine Mykose oder Toxoplasmose genannt.
In der späten Phase der Erkrankung ist die klinische Diagnose einer
"feuchten" FIP meist unproblematisch. Schwierigkeiten bereitet
dagegen die frühe Erkennung. Das rote Blutbild verhält sich zunächst
unauffällig, es kommt dann oft zu einer langsam fortschreitenden
Anämie (Blutarmut). Häufig liegt eine Leukozytose (Erhöhung weisser
Blutkörperchen) wegen einer Neutrophilie vor. Bei ¾ der Tiere kommt
es zu einer erhöhten Plasmaproteinkonzentration.
Eine Diagnose ist auch anhand der histologischen Untersuchung von
Biopten (Entnahme von Gewebe) aus Entzündungsherden möglich. Die
serologische Untersuchung kann bei richtiger Interpretation eine
diagnostische Hilfe bieten. Erkrankte Katzen zeigen oft Titer über
400 im Immunfluoreszenztest. Diese Untersuchung ist bei gesunden
Katzen nicht sinnvoll (z.B. im Rahmen einer Bestandsdiagnostik).
Erhöhte Titer bei gesunden Tieren haben nämlich keine Aussagekraft,
da sie als Folge der Infektion mit einem harmlosen enteralen
Coronavirus ent-stehen können. Über 50% der Katzen in Deutschland
sind serologisch Coronavirus-positiv.
Auch mittels
molekularbiologischer Techniken (PCR) ist die Unterscheidung von
avirulentem Coronavirus und FIP-verursachenden Mutanten nicht
möglich. Das verschiedene Verhalten der Coronaviren in Makrophagen
könnte ein diagnostischer Ansatzpunkt sein. Für die Änderung des
Tropismus (Enterozyt > Makrophage) ließen sich Mutationen in zwei
Genen des Virus nachweisen.
Es gelten die allgemeinen Regeln zur Reduktion von
Infektionskrankheiten. Dies sind besonders Hygiene und
Streßreduktion. Eine Optimierung ist bei der Massierung von Tieren
anzustreben wie in Tierarztpraxen, Zuchten und Tierheimen. Die
wirksamste Bekämpfungsstrategie ist der Aufbau seronegativer
Katzenzuchten, etwa durch die Methode des frühen Absetzens. Von Hand
aufgezogene Katzenwelpen können auf diese Weise vor einer Infektion
mit dem von der Mutter stammenden Coronavirus behütet werden. Es ist
neuerdings auch eine Nasentropfenvakzine erhältlich. Die
experimentellen Ergebnisse sind nicht einhellig positiv. Es bleibt
das Problem der Diskrepanz von experimentellen Anordnungen und
Feldbedingungen; Untersuchungsergebnisse aus einer
plazebokontrollierten Feldstudie zeigen einen geringen, wenn auch
signifikanten Impfschutz (Plazebo: 7 Krankheitsfälle; Verum: 1
Fall). Weiterhin ist nicht jeder von der Applikationsart
(Nasentropfen) bei Katzen überzeugt. Eine uneingeschränkte
Empfehlung für einen routinemäßigen Einsatz kann derzeit nicht
gegeben werden. Für jüngere serologisch Coronavirus-negative Katzen
mit Exposition könnte nach derzeitigem Kenntnisstand eine Impfung
sinnvoll sein. Eine Therapie bei einer klinisch manifesten FIP ist
nicht bekannt.
Zusammenfassung:
● FIP ist eine meist tödlich verlaufende Infektionskrankheit bei
Katzen.
● Die Infektion mit avirulenten (harmlosen) oder schwach virulenten
Coronavirusstämmen
führt zur Serokonversion, aber nicht zur Immunität gegen FIP.
● Antikörpertiter bei gesunden Tieren haben keine klinische
Bedeutung.
● asymptomatische Virusträger spielen die wichtigste Rolle bei der
Übertragung.
● Die Erkrankung ist eine Folge der Entstehung virulenter Mutanten
im Einzeltier nach
einer starken Vermehrung des "residenten" Coronavirus
● Die Diagnose wird routinemäßig durch eine Summe mehrerer
labordiagnostischer Para-
meter zusammen mit dem klinischen Bild gestellt.
● Die Impfung kann bei jungen seronegativen Tieren, die einem
Infektionsdruck ausgesetzt sind, sinnvoll sein.
Felines
Immundefienz Virus (FIV)
Welches Virus verursacht "Katzenaids"?
Das "erworbene Immundefizienzsyndrom" (acquired immunodeficiency
syndrome = AIDS) steht seit der Entdeckung des humanen
Immundefizienzvirus (HIV) im Mittelpunkt des öffentlichen
Interesses. Eine beispiellose Forschungsaktivität und die Suche nach
Tiermodellen setzte ein, um die Ursachen des Immundefizienzsyndroms
und Bekämpfungsmöglichkeiten gegen das HIV herauszufinden. Die
Resultate sind bisher trotz intensivster Forschungsanstrengungen
nicht sehr ermutigend. Bei dem Erreger handelt es sich um ein
Lentivirus (lateinisch: lentus= langsam; d.h. es dauert lange von
der Infektion bis zur Erkrankung) aus der Familie der Retroviridae.
Bei Katzen war mit dem FeLV (Felines Leukämie Virus) ein Retrovirus
welches zu einem Immundefizienzsyndrom führt bereits länger bekannt.
Wegen der Immundefizienz im späten Stadium der FeLV-Infektion wurde
vom FeLV-FAIDS, dem "felinen AIDS" gesprochen. Erst 1983 fand Nils
Pedersen in Kalifornien ein Immundefizienzsyndrom bei Katzen, bei
denen sich das FeLV nicht nachweisen ließ. Es gelang ihm ein felines
Lentivirus zu isolieren, welches in Analogie zu den Lentiviren
anderer Spezies FIV (felines Immundefizienzvirus)genannt wurde.
Dieses Virus verursacht bei Katzen ebenfalls eine Immundefizienz,
nachdem sehr ähnliche Stadien wie bei der HIV-Infektion des Menschen
durchlaufen wurden, weshalb die FIV-Infektion in mancher Hinsicht
als Tiermodell für die HIV-Infektion dienen kann. Beide Viren, das
FIV ebenso wie das FeLV führen also zu einer Immundefizienz. Obwohl
daher die umgangssprachliche Bezeichnung "Katzenaids" für die
Terminalstadien beider Virusinfektionen zutrifft, scheint sich aus
Gründen der näheren Verwandtschaft von FIV und HIV sowie der
Übereinstimmungen im Infektionsverlauf, dieser Begriff für das
finale Stadium der FIV-Infektion durchzusetzen.
Von praktischer Bedeutung ist bei der FIV-Infektion nur die
Bißübertragung, weshalb ältere, männliche, freilaufende Katzen am
häufigsten betroffen sind. Daher wird auch häufig von "dirty old man
disease" gesprochen. Alle anderen theoretisch in Frage kommenden
Übertragungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel eine intrauterine,
laktogene oder auch venerische Infektion scheinen mehr oder weniger
fragwürdige Einzelfallbeschreibungen ohne allgemeingültigen
Charakter zu sein. Bei Welpen mit FIV-infizierter Mutter sind zwar
laktogen aufgenommene Antikörper nachweisbar, d. h. die Tiere sind
serologisch FIV-positiv, die Antikörper scheinen aber nach dem
Absetzen wieder zu verschwinden, weil keine Infektion stattgefunden
hat. Die Zahlen über die Verbreitung der FIV-Infektion schwanken
sehr stark in Abhängigkeit von der Vorselektion des Probenmaterials
und der Populationsdichte und liegen in Westeuropa je nach Studie
zwischen 3 und 26 %.
Nach einer Bißinfektion werden mehrere Phasen durchlaufen. Zunächst
kommt es während der Primärphase zur Serokonversion, d. h. zur
Produktion von spezifischen Antikörpern, die dann in kommerziellen
Tests nachweisbar sind. In dieser ersten Phase von einigen Wochen
kann es zu geringen Störungen des Allgemeinbefindens mit
Lymphknotenschwellung kommen. Es folgt eine meist jahrelange
asymptomatische Phase. Für die weiteren Phasen wurde mittlerweile
eine Übereinstimmung zu denen bei der HIV-Infektion gefunden, diese
Unterteilung soll hier jedoch nicht weiter differenziert werden. Es
kommt aber zu einer sich langsam entwickelnden Immunschwäche welche
rezidivierende Erkrankungen von zunehmendem Schweregrad zur Folge
hat.
Wie bereits erwähnt verläuft die Erkrankung meist über Jahre
symptomlos. In Übereinstimmung mit der HIV-Infektion nimmt aber die
Zahl einer T-Helferzellpopulation stetig ab, bis es schließlich zu
klinischen Symptomen kommt. Auch wenn keine strenge Korrelation
besteht, so ist doch der Abfall der sogenannten CD4-T-Helferzellen
wie bei der HIV-Infektion der wesentliche hämatologische Parameter,
der in etwa mit der klinisch feststellbaren Verschlechterung des
Allgemeinbefindens übereinstimmt.
Grundsätzlich kann dann jede Symptomatik auftreten, besonders
betroffen sind jedoch die Schleimhäute im Kopfbereich. Ulzerative
Veränderungen der Maulhöhle und generalisierte
Lymphknotenschwellungen treten am häufigsten auf. Der typische
Patient in der Praxis ist eine ältere, chronisch kranke Katze mit
Veränderungen im Bereich der mukokutanen Übergänge.
Kennzeichnend für ein Immundefizienzsyndrom ist das Auftreten
opportunistischer Infektionen. Häufig werden die Begriffe sekundäre
und opportunistische Infektion im Zusammenhang mit
Immundefizienzsyndromen nicht sauber getrennt. Definitionsgemäß ist
eine sekundäre Erkrankung eine, für die das Tier auch ohne
Immundefizienz empfänglich ist wie zum Beispiel die FeLV-Infektion.
Bei den opportunistischen Infektionen erhöht sich aber die
Empfänglichkeit durch die Immundefizienz oder eine Empfänglichkeit
wird überhaupt erst durch die Immundefizienz erreicht. Dies gilt zum
Beispiel für Pox- oder Papillomaviren aber auch für Toxoplasmen und
verschiedene Pilze. Es muß aber in der Praxis nicht immer bis zum
Auftreten echter opportunistischer Infektionen kommen, da auch schon
vorher das Allgemeinbefinden so schlecht sein kann, daß eine
Euthanasie gerechtfertigt ist.
Angaben über die Mortalität bei der FIV-Infektion sind in Anbetracht
der Lebenserwartung von Katzen wenig sinnvoll, da nach der Infektion
eine mehrjährige asymptomatische Phase auftritt. Es gibt keine
Anhaltspunkte dafür, daß es nicht früher oder später zu einem
letalen Immundefizienzsyndrom kommt, wenn die Katze nicht vorher aus
anderen Gründen stirbt.
Es werden kommerzielle Testkits angeboten, die auf der Basis eines
ELISA`s (Enzyme linked immuno sorbent assay) funktionieren. Diese
Tests weisen nicht das Virus selber nach, sondern spezifische
Antikörper. Der Test ist in letzter Zeit wegen falsch positiver
Ergebnisse etwas in Frage gestellt worden und daher muß in
wissenschaftlichen Arbeiten ein positives ELISA-Testergebnis durch
einen Western blot überprüft werden.
Der Western blot für Antikörper gegen FIV wird nur von wenigen
Spezialinstituten durchgeführt und ist für Routineanwendungen wenig
geeignet. Zur absolut sicheren Diagnose ist der Western blot zwar
unerläßlich, es sollte aber bei der Kritik am ELISA berücksichtigt
werden, daß es zu einem großen Teil biometrische Gründe sind, die
zur einer relativ ungünstigen Quote an falsch positiven Ergebnissen
führen. Es fließen bei der Berechnung die Größen Sensitivität und
Spezifität des Testes sowie der Durchseuchungsgrad der getesteten
Katzenpopulation ein. Selbst bei hoher Sensitivität und Spezifität
(über 90%), aber einer relativ niedrigen Durchseuchung der
Katzenpopulation, kann rein rechnerisch keine günstige Quote
zustande kommen. Nur ein Test, der rechnerisch mit 100 % Sicherheit
arbeitet, kann eine gute Quote erzielen. Für praktische Erwägungen
ist der ELISA aber durchaus sinnvoll. Es ist allerdings günstig,
wenn er routinemäßig durchgeführt wird, um technische Probleme wie
ungeübte Handhabung oder Überalterung der Substanzen zu vermeiden.
Getestet werden kann im Prinzip jederzeit, bei einer vermuteten
Infektion zum Beispiel nach einer Beißerei muß allerdings einige
Wochen gewartet werden, um die Produktion spezifischer Antikörper
abzuwarten. Sechs Wochen ist ein sicherer Zeitraum, nach dem auf
alle Fälle Antikörper zu erwarten sind. Im Terminalstadium kann der
Test auch wieder negativ werden, da bei Ausbildung der
Immundefizienz unter Umständen nicht mehr genügend Antikörper
produziert werden. Der Test kann nützliche Hinweise geben falls es
bei einer Katze zu therapieresistenten, rezidivierenden Erkrankungen
kommt, die keine genau zu definierende Ursache haben.
Wenn das serologische Untersuchungsergebnis bei einer Katze den
Befund FIV-positiv erbringt, drängen sich dem Tierbesitzer folgende
Fragen besonders häufig auf:
1. Können sich Menschen anstecken ?
2. Muß die Katze jetzt bald an "AIDS" sterben ?
3. Muß die Katze eingeschläfert werden, um die Ansteckung anderer
Tiere zu verhindern ?
Die erste Frage ist eindeutig mit nein zu beantworten. Wie alle
bekannten Lentiviren ist auch das FIV streng speziesspezifisch und
selbst bei einem Katzenbiß besteht für den Menschen keine
Ansteckungsgefahr. Bei der zweiten Frage ist das Alter und der
klinische Allgemeinzustand der Katze zu berücksichtigen. Ähnlich wie
bei der HIV-Infektion des Menschen dauert es meist Jahre von der
Infektion bis zum Eintritt von Krankheitssymptomen. Bei einer
klinisch gesunden, jüngeren Katze besteht also die berechtigte
Hoffnung, daß das Tier noch einige Jahre ohne Krankheitssymptome und
daher beschwerdefrei leben kann. Bei der dritten Frage muß etwas
differenziert geantwortet werden. Bei einer freilaufenden Katze mit
aggressivem Territorialverhalten kann darüber nachgedacht werden,
den Freilauf zu unterbinden oder falls dies nicht möglich oder für
das Tier zumutbar durchzuführen ist, über eine Euthanasie
nachgedacht werden. Bei experimentellen Untersuchungen in
geschlossenen Gruppen mit FIV-positiven und negativen Katzen blieben
die serologisch negativen Tiere über Jahre weiter negativ, was ein
weiterer Beleg für die Bißübertragung ist. Bei einer Heimhaltung mit
mehreren friedlich zusammen lebenden Tieren ist das
Übertragungsrisiko also selbst bei Benutzung derselben Futtertröge
sehr gering, so daß nur das klinische Allgemeinbefinden des
infizierten Tieres über eine Euthansie entscheiden sollte.
Theoretisch wäre sogar eine Zucht mit FIV-infizierten Tieren
denkbar, wobei sowohl aus psychologische Gründen für den Züchter,
als auch zur Vermeidung eines Restrisikos in der Regel von einem
solchen Vorgehen abzusehen ist.
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